Mir ist etwas abhandengekommen, das ich erst bemerkt habe, als es weg war: einem gut geschriebenen Text einfach zu glauben. Vertrauen in Texte ist keine Entscheidung, die man begründet, sondern ein Gefühl, das oft schneller da ist als ein gutes Argument.
Vertrauen in Texte entsteht schneller als jedes Argument
Drei Sekunden, und wir wissen, ob uns jemand oder etwas geheuer ist. Dieses Gefühl ist gut trainiert. Nur leider auf eine Welt vor ChatGPT.
Die Signale für Vertrauen in Texte kosten nichts mehr
Das Gefühl hat gelernt: Wer sorgfältig formuliert, hat nachgedacht. Wer sicher auftritt, weiß Bescheid. Wer Quellen nennt, hat sie gelesen. Diese Signale waren verlässlich, weil sie etwas gekostet haben: Zeit, Wissen, Übung.
Heute kostet nichts davon mehr etwas. Sorgfältige Sprache, sicherer Ton, saubere Quellenoptik – generative KI liefert das in Sekunden, jedem, zu jedem Thema.
Und das Gefühl merkt es nicht. Es sagt weiter: klingt seriös.
Misstrauen gegen KI-Texte irrt genauso
Langsam stellt sich das Gefühl um. Überall ist die Rede davon, dass KI-generierte Inhalte nicht vertrauenswürdig seien. Also richtet es sich neu aus: niemandem trauen, sobald bestimmte Signale in einem Text stehen.
Das Dumme ist: Die neue Regel irrt genauso. Und sie trifft oft die, die sich Mühe geben. Wie schnell aus einem Verdacht ein Urteil wird, habe ich in „Ich erkenne das sofort“ – der bequemste Denkfehler auf LinkedIn beschrieben; was die vermeintlichen Erkennungsmerkmale technisch wirklich messen, steht in KI Schreibstil erkennen.
Was verloren geht, wenn Vertrauen in Texte zur Prüfarbeit wird
Früher konnte man jemandem einfach glauben. Einfach und ohne Gegenprobe, weil er ein Experte war und weil sich die Expertise auch an der Sprache ablesen ließ.
Dieses Einfach kommt mir abhanden. Ich vermisse es, einen Fachartikel zu lesen, ohne nebenbei nach Spuren von KI zu suchen. Was bleibt, ist die mühsamere Variante: selbst mitdenken, statt sich auf ein Signal zu verlassen – KI-Kompetenz durch aktives Mitdenken.
Früher gab es eine Abkürzung zum Vertrauen, und die war ein gut geschriebener Text. Die gibt es nicht mehr.
Ich will niemandem misstrauen müssen. Ich will wieder jemandem glauben können.
Falls beim Lesen gerade der Gedanke aufkam, das klinge nach KI: Genau das ist gemeint.
Vertrauen in Texte: die Diskussion auf LinkedIn
Hier geht es zum Beitrag auf LinkedIn: Mir ist etwas abhandengekommen, das ich erst bemerkt habe, als es weg war
