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Promptest du noch oder denkst du schon?

Prompten kann am Ende fast jeder. Denken bleibt die anspruchsvollere Aufgabe – auch mit KI.

Prompten allein macht dich noch nicht kompetent im Umgang mit KI. Trotzdem scheint hier auf LinkedIn aber auch in vielen Unternehmen: Wer prompten kann, gilt als kompetent, wer viele KI-Tools integriert, als fortgeschritten. KI-Kompetenz wird fast ausschließlich technisch verstanden. Dieses Verständnis führt aber zu einem Problem, das sich u.a. in AI Slop zeigt.

Denn Bedienungskompetenz (das technische Wie) ist nicht identisch mit Urteilskompetenz: der Frage, ob und wie der Einsatz im konkreten Fall sinnvoll ist (das konzeptionelle Wie). Beides gehört zur KI-Kompetenz und oft entscheidet über die Qualität der Ergebnisse nicht der nächste perfekte Prompt,

Wer ein Tool effizient bedient, hat damit noch keine Aussage darüber getroffen, ob der Einsatz in der konkreten Situation angemessen oder überhaupt sinnvoll ist. In der Praxis fallen beide Fragen häufig zusammen, weil das Bedienen-Können mit dem Bedienen-Sollen verwechselt wird.

Ein Beispiel aus der Schreibarbeit verdeutlicht was ich ausdrücken möchte: Viele Texte entstehen (auch inhaltlich, nicht nur stilistisch) erst durch das Schreiben selbst. Die Formulierung präzisiert den Gedanken, die Suche nach dem richtigen Wort verändert das Argument. Wer diese Arbeit komplett an die KI auslagert, bekommt einen Text, aber keinen Erkenntnisgewinn. Die Auslagerung ist nicht per se falsch. Sie ist nur etwas anderes, als sie auf den ersten Blick zu sein scheint.

Was aktuell als AI Slop diskutiert wird, ist Symptom dieses verkürzten Kompetenzbegriffs. Texte ohne erkennbare Urheberschaft, ohne erkennbares Anliegen, technisch sauber generiert aber inhaltlich leer. Sie entstehen nicht, weil jemand nicht gut prompten konnte, sondern weil die vorgelagerte Frage – sollte dieser Text überhaupt geschrieben werden und wenn ja wie – nicht gestellt wurde.

Urteilskompetenz bedeutet, solche Fragen in den Kompetenzbegriff einzuschließen: sowohl die nach dem Ob als auch die nach dem Wie des Einsatzes. Sie ist keine Skepsis-Haltung und keine Ablehnung, sondern die Bedingung, unter der die Bedienungskompetenz überhaupt Wert erzeugt.

Wer nur KI nur bedient ohne die dafür notwendige Urteilskompetenz, beherrscht einen Hebel, ohne den Mechanismus zu verstehen.

Gemeint ist die Unterscheidung zweier Aufgabentypen: Beim Formatieren einer Tabelle oder Übersetzen eines Textes zählt allein das Ergebnis. Beim Schreiben, Denken oder Urteilen liegt der Wert dagegen im Tun selbst, denn was sich dabei formt, lässt sich aus dem fertigen Output nicht mehr ableiten. Wer hier blind generieren lässt, eliminiert genau diesen Wert und verwechselt Effizienzgewinn mit Erkenntnisgewinn.

Daraus folgt nicht, dass KI bei dieser zweiten Aufgabenart außen vor bleiben muss. Die Frage darf nur nicht beim Ob enden: Auch das Wie des Einsatzes ist wichtig und verlangt mehr als das Übernehmen vorgefertigter Prompts.

Hier geht es zum Beitrag auf LinkedIn: GPT-5.5 und Halluzinationen