Regeln für KI: Warum der KI das Ermessen fehlt

Ineinander verschachtelte Rahmen mit Regeln für die KI und dem Satz Ermessen lässt sich nicht in eine Regel fassen

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Kann KI Regeln brechen? Mein Claude hat es arg schwer mit mir, denn Regeln für KI sind sein Ein und Alles. Und dass ich immer wieder gegen meine eigenen Regeln verstoße, mag er gar nicht.

Da gebe ich klare Anweisungen, wie die KI arbeiten soll, und verstoße dann selbst dagegen. Die Reaktion: Ich weise dich darauf hin, dass das dem widerspricht, was wir festgelegt haben. Es folgen Ausführungen in prosaischer Opulenz.

Pedantisch ist die KI deshalb nicht, dafür bräuchte sie einen Charakter. Und es ist ja gut, mich darauf hinzuweisen, wenn ich meine Regeln breche.

Was der KI bei Regeln fehlt: Ermessensspielraum

Gemeint ist die Fähigkeit, zu beurteilen und zu entscheiden, wann eine Regel gebrochen werden darf oder sogar muss. Diese Fähigkeit besitzt KI nicht.

Genauer gesagt fehlen ihr zwei Dinge. Sie kennt meinen Grund nicht. Und sie hat nicht das Recht, über meine Regeln zu entscheiden. Das ist auch gut so.

Warum Gründe mitgeben bei Regeln für KI nicht reicht

Man könnte einwenden: Dann gib ihr doch die Gründe mit. Anthropic empfiehlt genau das, weil ein Modell aus einer Begründung verallgemeinern kann. Für die Regel selbst stimmt das. Für meinen Regelbruch eher schwerlich.

Den Grund kenne im Einzelfall nur ich, und nicht jeder Grund lässt sich in eine Regel fassen. Noch ist in jedem meiner Regelbrüche ein Muster zu erkennen – manchmal bin ich einfach spontan auf Krawall gebürstet.

Eine Regel für den Regelbruch: wenn sich Regeln für KI verschachteln

Also schreibe ich eine neue Regel, die meiner KI sagt, wie sie damit umgehen soll, wenn ich eine selbst aufgestellte Regel breche. Festhalten lässt sich so etwas gut in einem Skill, der die Arbeitsweise dauerhaft vorgibt.

Damit laufe ich in ein Problem, das Immanuel Kant schon 1781 in der Kritik der reinen Vernunft beschrieben hat: Wer Regeln anwenden will, bräuchte dafür wieder eine Regel. Und für diese wieder eine. Urteilskraft sei deshalb ein besonderes Talent, welches gar nicht belehrt, sondern nur geübt sein will.

Wozu die neue Regel für die KI trotzdem taugt

Meine neue Regel ist der kleine Bruder dieses Problems. Sie bringt der KI kein Ermessen bei. Aber sie tut etwas Wichtiges: Sie zwingt mich zur Entscheidung. Keine Begründung, kein Gegenvorschlag. Die Entscheidung liegt allein bei mir.

Ich will gar nicht, dass meine KI selbst entscheidet, wann sie meine Regeln bricht. Gelassenheit bei meinen Regelbrüchen: ja. Ermessen über meine Regeln: nein. Das Ermessen bleibt bei mir, und zwar mitdenkend, nicht nebenbei.

Mein Problem mit einer Regel löse ich also mit einer weiteren Regel. Wer dabei an das Klischee von den regelverliebten Deutschen denkt: erwischt. Aber gibt es eine bessere Lösung?

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